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Braunvieh-Vision

Braunvieh-Vision

Etablierung neuer Gesundheitsmerkmale in der Zucht durch Aufbau einer weiblichen Lernstichprobe für die genomische Selektion beim Braunvieh

Projektkoordinator

Prof. Dr. Kay-Uwe Götz
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Institut für Tierzucht, Poing-Grub
Kay-Uwe.Goetz@lfl.bayern.de

Verbundpartner

Allgäuer Herdebuchgesellschaft (AHG)
Weilheimer Zuchtverbände e.V.
Rinderunion Baden-Württemberg e.V. (RBW)
Förderverein Bioökonomieforschung e.V. (FBF)

Projekthomepage

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: Forschungs- und Innovationsprojekt Braunvieh-Vision

Projektbeschreibung in FISA

Zum Forschungsinformationssystem Agrar und Ernährung (FISA)

Ziel

Braunvieh Vision (BVV) verfolgt das Ziel, durch den Aufbau einer weiblichen Lernstichprobe die Effizienz der genomischen Selektion zu verbessern und die Zucht auf neue, gesundheitsrelevante Merkmale möglich zu machen. Als Grundlage dienen Phänotypdaten für Mastitis, Fruchtbarkeitsstörungen, Zysten, Milchfieber und Klauenbefunde, die über die bereits etablierten Gesundheitsmonitoringprogramme an genotypisierten Kühen erfasst werden. Diese Merkmale bilden die Grundlage neuer genomischer Zuchtwertschätzverfahren und in der Folge einer Zucht auf bessere Gesundheit. Neben der Lieferung von Daten können die teilnehmenden Betriebe auch mit Hilfe der genomischen Zuchtwerte ihrer Tiere das züchterische Niveau ihrer Herde durch die gezielte Auswahl von weiblichen Kälbern für die Nachzucht verbessern.

Ergebnisse

Für das Projekt konnten 242 Braunviehbetriebe aus Bayern und Baden-Württemberg gewonnen werden, die ausgewählte Gesundheitsdaten in ihren Betrieben im Rahmen des Projektes erfassen. Ein zweiwöchentliches Monitoring der gemeldeten Gesundheitsdaten hilft den Mitarbeitern der Zuchtverbände bei der Betreuung der Betriebe und gewährleistet eine kontinuierliche Erfassung von Beobachtungen durch den Landwirt bzw. von Diagnosen durch den Tierarzt.

Genomische Zuchtwertschätzverfahren ermöglichen durch die Kopplung von Genotyp- und Phänotypinformationen die Schätzung von genomischen Zuchtwerten, die in ihrer Sicherheit den konventionellen Zuchtwerten für junge Tiere deutlich überlegen sind. Zum Aufbau solcher Zuchtwertschätzverfahren ist aber die Genotypisierung einer großen Zahl von Kühen notwendig, an denen gleichzeitig Phänotypdaten erhoben wurden. Bis April 2020 wurden in den Projektbetrieben 22.400 Braunviehtiere genotypisiert. Die genotypisierten Tiere stellen eine repräsentative Stichprobe der letzten Jahrgänge aller deutschen Besamungsbullen und damit der deutschen Braunviehpopulation dar (siehe Abbildung 1).

Aktuell liegen bereits für 8.500 genotypisierte Kühe Daten der konventionellen Leistungsprüfungs-merkmale, Exterieurmerkmale und Gesundheitsmerkmale vor, die zum Aufbau von genomischen Zuchtwertschätzverfahren beim Braunvieh genutzt werden. Zur optimalen Verwertung der im Projekt generierten Daten, werden sogenannte Single-Step Verfahren zur genomischen Zuchtwertschätzung entwickelt. Dieses neue Verfahren ermöglicht es, alle vorliegenden Informationen aus Phänotypen, Pedigrees und Genotypen optimal zu nutzen und auch die hohen Selektionsintensitäten der historisch selektierten genotypisierten Kandidaten im Schätzsystem korrekt zu berücksichtigen. In den rechentechnisch sehr aufwendigen Single-Step Verfahren tragen die genotypisierten weiblichen Tiere automatisch zur Schätzung der genomischen Zuchtwerte bei, so dass die Vorhersagequalität und Sicherheit der Zuchtwerte von Kandidaten und weiblicher Nachzucht und somit deren Selektion deutlich verbessert werden können.

Verwertung

Die erfassten Phänotypen werden derzeit schon in die vorhandenen konventionellen länderübergreifenden Zuchtwertschätzverfahren der Rasse Braunvieh einbezogen und führen hier bereits zu einer deutlichen Zunahme der Phänotypenbasis und damit zu einem Anstieg der Sicherheiten von Zuchtwerten töchtergeprüfter Bullen.

Erste Pilotverfahren der Single-Step Zuchtwertschätzverfahren wurden für die Rasse Braunvieh entwickelt und sollen Anfang 2021 in einem ersten Testlauf den Organisationen zur Verfügung gestellt werden. Die neuen Single-Step Verfahren werden danach in die Routine umgesetzt und die Ergebnisse stehen den Braunviehorganisationen und –betrieben für die Selektion der männlichen und weiblichen Tiere zur Verfügung.