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CeratoVir

Ziel

Gnitzen (Fam. Ceratopogonidae) sind Überträger des Blauzungenvirus (BTV) und des Schmallenberg-Virus (SBV). Im Rahmen eines Monitoring-Projekts unter Einbeziehung ausgewählter landwirtschaftlicher Sentinel-Betriebe sollen Daten zum räumlich-zeitlichen Auftreten potentieller Vektorarten und zur aktuellen Virus-Zirkulation in Deutschland gewonnen werden. Tests zur genetischen Artidentifizierung der Gnitzen sollen weiterentwickelt und vereinfacht werden. In den Hochsicherheitslaboren des FLI sollen Gnitzen gezüchtet und Infektionsversuche unter variablen Klimabedingungen durchgeführt werden.

Die gewonnenen Daten sollen helfen, die Epidemiologien der Krankheiten und die Rolle der Überträger – insbesondere vor dem Hintergrund eines sich verändernden Klimas – besser zu verstehen, Risikoanalysen zu ermöglichen und gezielte prophylaktische und – im Falle von Krankheitsausbrüchen – reaktive Maßnahmen zu unterstützen.

Die Innovation des Verbundvorhabens besteht in der Neu-/Weiterentwicklung, Etablierung und Bereitstellung von Methoden, die für die wissenschaftliche Erforschung von Gnitzen als Überträger des BTV und des SBV fundamental sind sowie in den wissenschaftlichen Resultaten selber.

Ergebnisse

Obwohl aus dem Monitoring bisher im Wesentlichen nur regionale Daten aus limitierten Zeiträumen vorliegen, scheint die Gnitzenaktivität in Deutschland sowohl saisonal länger als auch in den Frühjahrs- und Herbstmonaten intensiver zu sein als noch in den Zeitperioden des ersten BTV- (2007-2009) und des ersten SBV-Ausbruchs (2011-2013). Auf Grundlage dieser Daten konnte eine „vektorfreie/-arme Zeit“ im Winter vorgeschlagen werden, in der die Gnitzenaktivität unter einen festgelegten Schwellenwert fällt und daher Lockerungen von Handelsbeschränkungen mit Wiederkäuern aus einer Blauzungen-Restriktionszone möglich sind. Zudem erbrachte die bisherige Datenauswertung das Vorkommen zweier neuer Gnitzenarten für Deutschland.

Bei der Entwicklung der Tests zur genetischen Artidentifizierung der Gnitzen stehen die Arten des Obsoletus- und Pulicaris-Komplexes im Fokus. Für den Obsoletus-Komplex wird derzeit eine quantitative und multiplexfähige realtime PCR als Methode entwickelt, die eine zuverlässige Identifizierung der Komplexarten C. obsoletus, C. scoticus und C. chiopterus sowie der nahverwandten Art C. dewulfi ermöglichen soll. Parallel wird eine konventionelle PCR für den Pulicaris-Komplex entwickelt, die alle potenziellen Vektorarten dieses Komplexes identifizieren soll.

Das Virus-Screening von im Monitoring 2019 gesammelten Gnitzen ergab mehrere SBV-Nachweise, vorwiegend in Ost-und Süddeutschland. Der saisonal früheste Nachweis gelang in Ende April 2019 gesammelten Gnitzen. BTV wurde bisher nicht detektiert. Die Ergebnisse spiegeln wider, dass SBV im Jahr 2019 häufig im Säugetierwirt (= Wiederkäuer) auftrat, während BTV in Wiederkäuern kaum nachgewiesen wurde.

Für Infektionsversuche konnte eine Culicoides sonorensis-Kolonie am FLI etabliert werden. In vivo-Infektionsversuche mit unterschiedlichen Virusstämmen dauern an. Um die Funktion viraler Proteine im Insektenvektor näher zu bestimmen, werden in vitro-Infektionsversuche mit rekombinant hergestellten SBV-Deletionsmutanten im Gnitzen-Zellkultursystem durchgeführt. Mittels vergleichender Transkriptomanalysen wird die zelluläre Antwort auf die Virusinfektion untersucht.

Verwertung

Die Ergebnisse werden im Rahmen der Prävention von Tierkrankheiten verwertet. Sie sollen der Analyse des Risikos von Gnitzen-assoziierten Viruserkrankungen von Wiederkäuern in Deutschland sowie ggf. der Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zu ihrer Vermeidung dienen. Die unmittelbare Verwendung der im Projekt gewonnenen Daten liegt in ihrer Publikation in wissenschaftlichen Fachzeitschriften sowie ihrer Präsentation auf nationalen und internationalen Fachtagungen. Die in der Datenbank gesammelten Daten stehen zukünftigen Forschungsprojekten zur Verfügung.

Broschüre: Poster CeratoVir
Dokumenttyp: PDF Dokumentgröße: 577 KB

Broschüre Beschreibung:

Gnitzen (Ceratopogonidae) als Vektoren von Viren in Deutschland unter Berücksichtigung sich ändernder klimatischer Bedingungen